Eine Umfrage zeigt ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber der Politik und dem bestehenden Wirtschaftssystem. Eine große Mehrheit der Befragten ist demnach überzeugt, dass die gegenwärtige Wirtschaftsordnung vor allem Reiche und Mächtige begünstigt. Zugleich äußern viele den Wunsch nach einem grundlegenden Wandel des Systems.
Nach den vorliegenden Angaben verbindet sich dieser Veränderungswunsch jedoch nicht mit großem Vertrauen in die politischen Institutionen. Viele Befragte trauen der Politik offenbar nicht zu, einen solchen Wandel herbeizuführen. Damit stehen zwei Haltungen nebeneinander: Einerseits wird eine grundlegende Veränderung erwartet oder gefordert, andererseits fehlt der Eindruck, dass die etablierte Politik diese Aufgabe bewältigen kann.
Besonders deutlich wird die Distanz zu demokratischen Institutionen bei der Frage nach einer autoritären Alternative. 40 Prozent der Befragten würden demnach einen „starken Führer“ bevorzugen, der ohne Parlament und Wahlen regiert. Die Angabe verweist auf eine erhebliche Skepsis gegenüber den zentralen Verfahren demokratischer Willensbildung.
Parlament und Wahlen stehen in demokratischen Systemen für politische Repräsentation und die Beteiligung der Bevölkerung an Entscheidungen. Dass ein großer Anteil der Befragten auf diese Institutionen verzichten würde, deutet auf eine tiefe Entfremdung von den bestehenden politischen Strukturen hin. Zugleich lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten, welche konkreten Gründe die Befragten für diese Haltung nennen.
Auch zum gewünschten Systemwandel enthält die Umfrage in den vorliegenden Angaben keine näheren Details. Unklar bleibt demnach, welche politischen oder wirtschaftlichen Veränderungen sich die Befragten im Einzelnen vorstellen. Fest steht jedoch, dass die Kritik am Wirtschaftssystem und das Misstrauen in die Politik eng nebeneinanderstehen.
Die Ergebnisse zeichnen damit ein widersprüchliches Bild: Viele Menschen halten die bestehende Wirtschaftsordnung für ungerecht und wünschen sich Veränderungen. Gleichzeitig sehen sie offenbar nicht die politischen Akteure oder Institutionen, denen sie die Umsetzung eines solchen Wandels zutrauen. Ein erheblicher Teil ist zudem bereit, demokratische Verfahren zugunsten einer Führung ohne Parlament und Wahlen zurückzustellen.
Die Angaben stammen aus einer von DER STANDARD berichteten Umfrage. Weitere Informationen zur Durchführung, zur Zahl der Befragten oder zum Erhebungszeitraum liegen in den vorliegenden Daten nicht vor.