Europäische Unternehmen sind offenbar nur unzureichend auf einen möglichen Handelsschock im Verhältnis zu China vorbereitet. Nach Informationen von POLITICO Europe stocken viele Firmen ihre Vorräte bislang kaum auf und bemühen sich nur begrenzt darum, ihre Lieferanten breiter aufzustellen. Damit bleibt die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten trotz politischer Gegenmaßnahmen der Europäischen Union ein zentrales wirtschaftliches Risiko.
Die EU versucht seit Längerem, ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von China zu verringern. Dazu gehört insbesondere das Ziel, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen und Risiken durch eine zu starke Konzentration auf einzelne Bezugsquellen zu reduzieren. In der Unternehmenspraxis zeigt sich nach der vorliegenden Einschätzung jedoch bislang kein entsprechend umfassender Ausbau von Vorsorgemaßnahmen.
So legen Unternehmen dem Bericht zufolge nur in begrenztem Umfang zusätzliche Bestände an. Auch bei der Auswahl und Diversifizierung von Lieferanten bleiben die Fortschritte offenbar hinter den Erwartungen zurück. Eine breitere Lieferantenbasis könnte dazu beitragen, mögliche Unterbrechungen einzelner Handelswege abzufedern. Aus den vorliegenden Informationen geht jedoch nicht hervor, in welchem Umfang Unternehmen in den einzelnen Branchen entsprechende Schritte umgesetzt haben.
Ein China-Experte bezeichnete den ausbleibenden Ausbau solcher Maßnahmen als „ziemlich schockierend“. Die Einschätzung verweist auf eine mögliche Lücke zwischen den politischen Warnungen vor wirtschaftlichen Abhängigkeiten und dem tatsächlichen Vorgehen der Unternehmen. Während die EU die Verringerung strategischer Risiken anstrebt, scheinen viele Firmen ihre Lieferketten demnach bislang nicht in ausreichendem Maß anzupassen.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht ein einzelnes Ereignis, sondern die grundsätzliche Verwundbarkeit europäischer Unternehmen gegenüber Veränderungen im Handel mit China. Ein möglicher Handelsschock könnte Lieferbeziehungen und die Verfügbarkeit von Waren oder Vorprodukten beeinträchtigen. Welche konkreten Folgen dies für einzelne Unternehmen oder Wirtschaftszweige hätte, lässt sich auf Grundlage der vorliegenden Informationen nicht näher bestimmen.
Die begrenzte Vorratshaltung und die nur langsam voranschreitende Lieferantendiversifizierung rücken deshalb die Frage in den Vordergrund, wie belastbar europäische Lieferketten im Krisenfall tatsächlich wären. Zugleich machen die Angaben deutlich, dass politische Bemühungen allein nicht automatisch zu einer schnellen Veränderung betrieblicher Beschaffungsstrategien führen.
Die Einschätzung wurde von POLITICO Europe veröffentlicht. Konkrete Angaben zu einzelnen Unternehmen, Branchen oder zum zeitlichen Umfang der beobachteten Entwicklung liegen in den vorliegenden Informationen nicht vor. Fest steht nach dem Bericht jedoch, dass die wirtschaftliche Abhängigkeit von China und die damit verbundenen Risiken für Europa weiterhin im Fokus stehen.